Die Mongolei
Die Mongolei ist mit 1,57 Mio. km2 Fläche rund viereinhalb mal so groß wie die
Bundesrepublik Deutschland. Mit nur ca. 2,6 Mio. Einwohnern zählt sie aber zu
den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt (Bevölkerungsdichte 1,5 Einw./km2).
Etwa 50 % der Einwohner leben in den Städten, 22 % in ländlichen Siedlungen, die
übrigen sind noch heute traditionell lebende nomadisierende Viehzüchter. Allein
in der Hauptstadt Ulan Bator leben ca. 750.000 Menschen.

Im Land herrscht ein extrem kontinentales
Klima mit langen, trockenen, sehr
kalten Wintern und kurzen Sommern, in denen die meisten der insgesamt geringen
Niederschläge fallen. Die Vegetationsperiode dauert nur etwa vier Monate. Gerade
in den letzten beiden Jahren kam es im Winter bei Temperaturen von bis zu minus
45 Grad Celsius zu hohen Verlusten in den Herden zahlreicher Viehzüchter mit
starken negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Umfragen zeigen, dass das Wissen um die Mongolei in Deutschland noch recht
gering ist. So nannten bei einer Umfrage auf der EXPO 2000 die Befragten
durchweg Reitervolk, Dschingis Khan, Wüste Gobi usw. als erste Assoziationen.
Die Realität sieht aber etwas anders aus:
Politisch ist die neueste Geschichte dadurch geprägt, dass die Mongolei nach Russland das zweitälteste kommunistische Land der Erde war. Nach 72 Jahren unter einem kommunistischen Regime mit starker Abhängigkeit von der UdSSR begann 1989 ein stürmischer Demokratisierungsprozess. Die ersten freien Wahlen, die 1990 durchgeführt wurden, sowie die neue Verfassung vom Februar 1992 schreiben die endgültige Abkehr vom bisherigen System fest und bilden die Grundlagen für die jetzige parlamentarische Demokratie mit Mehrparteiensystem.
Wirtschaftlich hat die Mongolei, wie auch die osteuropäischen Länder, mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen, da zwar die frühere Zentralverwaltungswirtschaft in erheblichem Umfang abgebaut wurde, jedoch noch nicht vollständig durch eine funktionstüchtige Marktwirtschaft ersetzt werden konnte. Erschwerend wirkt sich dabei die früher starke Abhängigkeit von der UdSSR aus, die als zentrale Ursache für derzeitige Versorgungsengpässe anzusehen ist. Hinzu kommt, dass - wie auch in Osteuropa - vor allem technologische Mängel, aber auch z.T. unzureichendes Know-how im Bereich Management und Marketing, den Zugang zu internationalen Märkten sehr schwierig machen.

Das Entwicklungspotential ist jedoch trotz der zur Zeit bestehenden Probleme durchaus positiv zu beurteilen, da
umfangreiche, noch weitgehend ungenutzte Bodenschätze vorhanden sind (z.B. Kohle, Flussspat, Kalk , Erdöl usw.)
die sehr bedeutende traditionelle Viehwirtschaft (rund 36 Mio. Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und Kamele) ein großes Potential für Weiterverarbeitung darstellt
die Möglichkeiten der kleinindustriellen und handwerklichen Produktion bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind
die bevölkerungsreichen Nachbarländer wie China und Russland potentielle Absatzmärkte darstellen
das Ausbildungsniveau der Bevölkerung insgesamt recht hoch ist (z.B. haben 30.000 mongolische Fachkräfte in der ehemaligen DDR studiert)

(c) InWEnt, (c) InWEnt, APPLICATIO (2002)